Sonderausstellungen

Conny Möller: Kunst & Mee(h)r im Stadtmuseum Bergen

Vernissage: 27.06.2026, um 16 Uhr

Laufzeit: 29.06.-13.09.2026

 

Conny Möllers künstlerisches Credo kann in zwei Sätzen festgehalten werden: „Gefühle gehören auf ein Bild […]“ (Christine Zillmer: Die Gegensätze von „El Proradieso“, OZ, 23./24.12.2017) und „Malen, was mir gefällt“ (Mathias Probst: El Proradieso. Ölmalerei und Mee(h)r). Die Autodidaktin ist ein sehr emotionaler Mensch und setzt ihre Gefühle und Gedanken mit Pinsel und Öl- sowie Acrylfarben um. Sie malt aus Leidenschaft, und zugleich hat ihr die Malerei geholfen, schwierige Lebensabschnitte zu bewältigen.

Ihre Arbeiten bestechen durch freundliche und überwiegend gegenständliche Motive und kräftige Farben. Doch auch abstrakte und mitunter fast melancholisch wirkende Gemälde finden sich unter ihren zahlreichen Werken. Conny Möller wird durch die malerische Kulisse Rügens inspiriert, sei es die helle Kreideküste des Nationalparks Jasmund, die einladenden Strände, zauberhafte Sonnenaufgänge oder das bewegte bzw. spiegelnde Wasser der Ostsee, auf dem Segelboote träumerisch dahingleiten. Auch markante Architektur hält sie auf Leinwand fest.

Ihre Arbeiten eröffnen dem Betrachter die Schönheit Rügens aus der Perspektive der Künstlerin. Dabei beschränkt sich Conny Möller nicht nur auf herkömmliche Bildträger, sondern verziert mit ihrer Kunst Milchkannen aus Blech, Steine, Glasgefäße, Holz oder sogar Hausfassaden. So entstehen Kunstwerke, die neben ihrer praktischen Funktion einen Hauch von Rügens Schönheit tragen. Viele ihrer Motive finden sich zudem in jährlich neu gestalteten Kalendern wieder.

 

Conny Möller wurde in Meißen geboren, wuchs aber auf Rügen auf. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Malen – zuerst mit Bunt- und Bleistiften, später mit Pinsel und Farben. Aufgrund familiärer Verpflichtungen rückte diese Begeisterung zeitweise in den Hintergrund, um dann vor ungefähr 15 Jahren erneut als Freizeitbeschäftigung aufzublühen. Durch das Malen konnte sie der Anspannung des hektischen Alltags entfliehen und zu ihrer inneren Ruhe zurückfinden.

Vor elf Jahren fasste sie den Entschluss, ihren Lebensmittelpunkt nach Prora zu verlegen. Die geschichtsträchtige Ortschaft mit dem unmittelbaren Zugang zum Meer und dem weißen Sandstrand wurde zu ihrem persönlichen Sehnsuchtsort. Nach einer turbulenten Zeit erschien Prora der Künstlerin wie eine Art Paradies, das ihre Lebensfreude und Kreativität neu entfachte. In diesem Zusammenhang schuf sie die rechtlich geschützte Wortmarke El Proradieso®.

Neben der idyllischen Landschaft erwachte zudem ihr Interesse an der Entstehung des „Neuen Prora“, das heißt die Transformation der brachialen Ruinen des KdF-Seebades Rügen in freundliche und moderne Wohnblöcke. Eine Umwandlung, die sie hautnah mitverfolgte und in mehreren Bildern festhielt.

In dieser Zeit erhielt Conny Möller die Diagnose Krebs. Doch anstatt aufzugeben, erwachte ihr Kampfgeist. Ihr ungebrochener Lebenswille, die Liebe zur Natur und ihre Leidenschaft für das Meer und die Malerei wurden zu ihrer eigenen Therapie.

Prora war zu ihrer Heimat geworden und umso größer war der Schock, als sie im Jahr 2025 ihre Wohnung, die zugleich als Atelier gedient hatte, verlor. Conny Möller musste ihr persönliches Paradies verlassen und verlor neben ihrer Lebensfreude auch die Lust am Malen.

Einmal mehr suchte sie nach einer räumlichen Veränderung. Schritt für Schritt kehrten Freude und Kreativität zurück und ließen sie erneut zu Pinsel und Farben greifen.

 

Eine Auswahl ihrer Werke wartet nun darauf, in der Sonderausstellung „Conny Möller: Kunst & Mee(h)r“ vom 29. Juni bis 13. September 2026 im Stadtmuseum Bergen auf Rügen entdeckt zu werden.

 

Die Erfahrung ihrer Krankheit führte Conny Möller eindrücklich die eigene Sterblichkeit vor Augen. Nach ihrer Genesung blieb eine veränderte Haltung zum Leben zurück: Sie möchte dessen Schönheit auch in schwierigen Zeiten bewusster wahrnehmen und zugleich etwas Gutes bewirken. Daher wird ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf ihrer Arbeiten an den Ambulanten Hospizdienst Rügen gespendet.

 

Autorinnen: Conny Möller/El Proradieso® (Künstlerin); Marika Emonds (Stadtmuseum Bergen auf Rügen)

Nature is painting – made of stone

Eine Fotoausstellung von Katrin Nülken

Vernissage: 07.03.2026, um 15 Uhr

Laufzeit: 09.03.-05.06.2026

 

In der Ausstellung „Nature is painting – made of stone“ macht Katrin Nülken ihre Liebe für Steine erfahrbar und gibt den Besucher*innen Einblick in diese besondere Faszination. Die ambitionierte Künstlerin wird förmlich angezogen von den zutiefst unterschiedlichen Strukturen, Farben und Formen dieser jahrtausendalten Zeugen der Erdgeschichte und ihrer riesigen Vielfalt, die sie immer wieder aufs Neue erstaunt. Die unverwechselbare Beschaffenheit der einzelnen Steine versucht sie in ihren Fotografien festzuhalten.

 

Nicht das steinerne Objekt als Ganzes steht im Mittelpunkt der Schau, sondern die jeweiligen Strukturen und Nuancen, die in den einzelnen Aufnahmen wie eigenständige Malereien erscheinen. Der Fokus liegt auf den künstlerischen Facetten, die sich dem geduldigen und kreativen Auge von Katrin Nülken offenbaren. Mit scharfem Blick nähert sie sich dem steinernen Ausgangsmaterial auf der Suche nach neuen Motiven, deren visuelle Qualität in detaillierten Nah- und Makrofotografien sichtbar wird. Auf diese Weise entdeckt sie immer wieder neue einzigartige Kunstwerke – geschaffen durch die schöpferischen Naturgewalten.

Mal bildhaft, mal abstrakt eröffnen die Arbeiten neue Blickwinkel und Räume der Interpretation. Der Fantasie der Betrachtenden werden keine Grenzen gesetzt, weshalb Katrin Nülken auf Bildtitel verzichtet. Stattdessen möchte sie die Besucher explizit einladen, sich unvoreingenommen den Fotografien und Bildern zu nähern und sich mit den Exponaten individuell auseinanderzusetzen.

Inspiration findet die leidenschaftliche Steinliebhaberin auf ihren Streifzügen entlang der Küsten ihrer Heimat, der Insel Rügen. Hier entdeckt sie die schönsten Exemplare. Einige wandern in ihren Rucksack, manche davon mehrere Kilogramm schwer, andere fotografiert sie an Ort und Stelle.

 

Katrin Nülken hegt die Hoffnung und den Wunsch, ihre Begeisterung für die Steine Rügens weiterzugeben und die Menschen in der aktuellen schnelllebigen Zeit zum Innehalten und bewussten Wahrnehmen von naturgeformter Ästhetik und Harmonie zu animieren: „Vielleicht sehen einige der Ausstellungsbesucher künftig bei ihren Strandspaziergängen die Steine mit anderen Augen und erfreuen sich an der berührenden und abwechslungsreichen Schönheit. Jeder Stein stellt ein Unikat mit eigener Energie dar, die die Seele vor Freude zum Tanzen bringen kann.“ Diese empfindsame Erfahrung wünscht sie Museums- und Spaziergängern, sei es bei der Betrachtung ihrer Werke oder im Rahmen von Ausflügen in unsere wunderbare Natur.

 

Führungen durch die Ausstellung mit der Künstlerin:

12.04.2026 (Tag der offenen Klosterstätten), um 11 Uhr

17.05.2026 (Internationaler Museumstag), um 11 Uhr

Depotausstellung „Krieg und Erinnerung“

Laufzeit: 18.05.2025-30.04.2026

 

In der kleinen Depotausstellung nähert sich das Stadtmuseum überblicksartig und aus aktuellem Anlass einem schweren Thema: Kriegerische Konflikte auf und vor Rügen.

 

Anlässlich des 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus präsentiert das Stadtmuseum in seiner kleinen Depotausstellung einen kurzen Überblick über kriegerische Konflikte auf bzw. vor der Insel Rügen. Von der Eroberung der Tempelburg Arkona im Jahr 1168, über den dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) bis hin zum Nordischen Krieg und der Landung der preußischen, dänischen und sächsischen Truppen bei Groß Stresow am 15. November 1715 veranschaulichen diverse Druckgrafiken die Bedeutung der Insel innerhalb der Ambitionen der unterschiedlichen Regional- und Großmächte.

 

Die überlieferten Feldpostbriefe aus den beiden Weltkriegen spiegeln die ernüchternden Erfahrungen und Eindrücke verschiedener Einwohner Rügens von der Front wider, wohingegen die Denkmäler der Stadt Bergen den Umgang der Bürger mit den gewalttätigen Konflikten veranschaulichen.

Walter G. Goes „So nah – So fern. ARTus- Köpfe. Eine Bilanz & Auswahl 2001-2021“

Vernissage: 15.11.2025, um 15 Uhr

Laufzeit: 17.11.2025-20.02.2026

 

Unter dem Pseudonym ARTus verfasste der Grafiker, Maler, Objektkünstler und Lyriker Walter Gustav Goes in den Jahren 2001 bis 2021 mehr als 800 Kolumnen zu prominenten und bekannten Persönlichkeiten mit Bezug zur Insel Rügen. Mit diesen prägnanten und ausdrucksstarken Essays begeisterte er zwanzig Jahre lang Leserinnen und Leser der Ostsee-Zeitung. Jeden der literarisch ansprechenden Texte begleitet eine Zeichnung, ein sogenannter ARTus-Kopf. In der Sonderausstellung „So nah – so fern“ werden nun ausgewählte Porträts mitsamt ihren zugehörigen Texten einem interessierten Publikum vorgestellt. Die Schau rückt vor allem Individuen aus Bergen und von der Insel Rügen sowie deren Wirken in den Mittelpunkt und bietet einen vielfältigen Einblick in zwei Jahrzehnte kreativen Schaffens. Historischen Personen wie Arnold Ruge stellt ARTus facettenreich Menschen der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart aus verschiedensten Bereichen – etwa Kunst, Medizin, Biologie, Gesellschaft oder Geschichte – zur Seite und lädt unter der Überschrift „So gesehen“ zum Innehalten und Sinnieren ein.

 

Die Idee zu den Kolumnen entwickelte sich während eines Familienbesuchs 2001 in Hamburg, als Walter Goes zufällig beim Blättern in einer Zeitung auf eine vergleichbare Rubrik stieß. Sein doppeldeutiges Pseudonym spielt zum einen auf das englische Wort Art für Kunst an und zum anderen auf den mythischen König der bekannten Artus-Sage. Gleich dem prominenten Herrscher versammelt der Lyriker und Zeichner verschiedene Personen um einen imaginären Tisch. Bei unserem ARTus sind es keine Ritter, sondern er ruft real oder imaginär Leute um seine Tafel, die ihm wichtig sind und zu denen der Leser hinzutritt (H. Vonberg, OZ-Kolumnen in einem Buch. OZ 20.10.2011). Der Literaturwissenschaftler und Germanist Professor Karl-Ewald Tietz beschrieb die Kolumnen einst als „Kunst-, Beziehungs-, Geschichts- und Menschenkrimi im Miniformat- aber ohne Verbrechen“, in denen der Autor als „ein Meister der Assoziationsketten“ den Leser in eine andere geistvolle und humanistische Welt führt (Karl-Ewald Tietz, Menschenkrimi im Miniformat. Artus-Kolumnen von Walter G. Goes. In: Walter G. Goes/Axel Kasiske (Hrsg.), ARTus-Köpfe. Eine Jubiläumsgabe (Putbus 2011), S. 9).

 

Walter Gustav Goes wurde am 7. September 1950 in Aschersleben geboren und bereichert seit 1972 das künstlerische und kulturelle Leben auf der Insel Rügen. So war er von 1972 bis 1974 im Bergener Kreiskulturhaus tätig und verantwortete hier den Aufbau einer kleinen Galerie. In den Jahren 1981 bis 1990 prägte er als künstlerischer Leiter der Galerie in der Orangerie Putbus das dortige Ausstellungsgeschehen. Goes führte von 1991 bis 1999 den Vorsitz des ersten Rügenschen Kunstvereins, lehrte ab 1997 als Dozent an der Kreisvolkshochschule Vorpommern-Rügen, war 2010 bis 2014 als künstlerischer Mitarbeiter der Kulturstiftung Rügen tätig und gründete 2014 zusammen mit Monika Ringat, Günther Haußmann und Frank Otto Sperlich die ROTKLEE-Ateliergemeinschaft in Putbus. Die umfassende Werkschau „Im Schatten stiller Niederschau. Bilder – Texte – Objekte. Bilanz & Auswahl“ in der Orangerie Putbus ermöglichte vom 7. September bis 26. Oktober 2025 einen intensiven Einblick in das vielseitige und vielschichtige Schaffen dieses Talents. Neben der eigenen Kunst, die vielfach im In- und Ausland präsentiert wurde, förderte und unterstützte Goes in Form von Ausstellungen oder regelmäßigen Kunst- und Werkstattgesprächen auch einheimische Künstler und Kunstinteressierte.

 

Anlässlich seines 75. Geburtstagsjahres freuen wir uns, einige seiner vielfältigen Facetten in Wort und Bild zu präsentieren!