Auf dieser Seite stellt das Stadtmuseum Bergen auf Rügen bekannte Persönlichkeiten der Stadt Bergen auf Rügen und von der Insel Rügen vor. Dazu gehören Künstler, Wissenschaftler und historische Persönlichkeiten, die Bergen und die Insel Rügen geprägt haben.
Weitere Persönlichkeiten aus Bergen auf Rügen finden Sie auch in der Rubrik „Fast vergessene Persönlichkeiten“:
Annelise Hoge wurde 1945 in Gießmannsdorf (Brandenburg) geboren. Sie wuchs in Schönfeld bei Dresden auf, beendete die Schule mit dem Abitur und begann von 1964 bis 1965 eine Maurerlehre. Anschließend folgte ein Architekturstudium an der Technischen Universität Dresden bis zum Jahr 1967. Danach studierte sie bis 1972 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und erwarb ihren Abschluss als Diplomgrafikerin. Es folgte der erste Umzug nach Rügen. In den Jahren 1973 bis 1982 war die Grafikerin freischaffend in Bergen tätig. Von 1982 bis 1985 gehörte sie zu den Meisterschülern des Bildhauers Werner Stötzer an der Akademie der Künste in Berlin. Noch im Jahr 1985 führte ihr Weg sie zurück nach Bergen auf Rügen, wo sie ihre freischaffende Künstlertätigkeit wiederaufnahm.
In der Sonderausstellung „A. Hoge. Bergen-Blicke“ widmete sich die bekannte Grafikerin und Malerin Annelise Hoge der namensgebenden Stadt, die ihr mehr als 40 Jahre lang Heimat war. Es handelte sich um eine kleine Hommage an diesen Ort im Zentrum der Insel Rügen, der gerne von Besuchern auf dem Weg ans Meer übersehen wird. Zugleich zeigte die Schau Hoges persönliche Wahrnehmung der Kleinstadt. Bergen liegt der Künstlerin am Herzen, und die Ausstellung ist ihr individuelles Fazit nach vielen Jahren. Annelise Hoge hält ihre Eindrücke in Fotografien, Aquarellen und in anderen künstlerischen Ausdrucksmitteln fest. Sie betrachtet ihre Umgebung mit dem poetischen Blick der Künstlerin. Hinzu tritt die kritische Sichtweise einer sensiblen Persönlichkeit, die eine ihr oftmals zu apathisch wirkende Gesellschaft sensibilisieren möchte, um historische und künstlerische Zeugnisse der Vergangenheit vor dem Vergessen und dem damit einhergehenden Verfall zu bewahren.
Der Gedanke, Denkmäler und Kulturgut zu schützen, äußerte sich besonders eindringlich in ihrem Engagement zur Rettung und dem Wiederaufbau der mehr als 700 Jahre alten Kirche in Landow (Rügen). Dabei steht die Künstlerin ungern im Rampenlicht, und so wird sie nicht müde, auf die Vielzahl von freiwilligen Helfern und Unterstützern hinzuweisen, die sich damals diesem Unterfangen anschlossen.
Autorin: Marika Emonds
Im Zuge der Erfassung der Bibliothek des Stadtmuseums wurden zwei Mappen mit einem Entwurf für eine geplante Volksschwimmhalle in Bergen-Süd aus dem Jahr 1969 wiederentdeckt. Urheber dieser Konzeption waren die Diplom-Ingenieure Neumann und der für seine Hyparschalenbauwerke bekannte Ulrich Müther.
Ulrich Müther (1934-2007) begann seine berufliche Laufbahn mit einer Lehre zum Zimmermann und nahm dann ein Studium an der Ingenieursschule für Bauwesen in Neustrelitz auf. Seine erste Hyparschale berechnete und baute er auf Anregung seines Freundes Ingo Schönrock im Rahmen seiner Diplomarbeit. Hyperbolische Paraboloidschalen bzw. HP-Schalen als Dachkonstruktionen begeisterten national und international mit ihrem leichten und ästhetischen Erscheinungsbild. Es handelt sich um dünne Gebilde aus Stahlbeton, die große Spannbreiten überbrücken. Ulrich Müthers Hyparschalen weisen vielfach eine Stärke von 7 bis 10 cm auf. Zudem konnten sie rasch und materialsparend hergestellt werden. Die Begeisterung für Schalentragwerke ließ ihn Zeit seines Lebens nicht mehr los und so berechnete, konstruierte und realisierte er mehr als 70 Schalenbauten im In- und Ausland. Interessanterweise ist die Hochphase von Müthers Schaffen etwas versetzt zur internationalen Schalenbautätigkeit anzusetzen. Die Blütezeit für solche Dachkonstruktionen begann weltweit in den 1950er Jahren und dauerte bis in die frühen 1960er Jahre an, während die Glanzzeit für Müthers Hyparschalen gegen Ende der 1960er Jahre einsetzte und sich bis in den Anfang der 1970er Jahre hielt. In diese Phase fällt auch der Entwurf für die Schwimmhalle in Bergen.
Die Fertigung der einzelnen HP-Schalen erfolgte im Betrieb PGH Bau Binz/VEB Spezialbetonbau Rügen, den Ulrich Müther leitete. Zu den Auftragsarbeiten mit HP-Schalen gehörten Planetarien, Sakral-, Gesellschafts- und Sportbauten. Planetarien errichtete die DDR auch im Ausland und erhielt im Gegenzug Devisen oder andere Waren.
Der Entwurf der Volksschwimmhalle Bergen aus dem Jahr 1969 reiht sich in die Riege der repräsentativen Sportbauten mit hyperbolischer Paraboloidschale ein. Angelegt war sie als Typ Anklam und als Teil eines späteren Sportzentrums. Neben dem Schwimmbecken planten Müther und Neumann einen gastronomischen Bereich mit bis zu 150 Sitzplätzen, sowie einen Mehrzweckraum längs zum Schwimmbecken ein. „Durch die Verbindung der Sportstätte mit einem guten Café wird dieses Gebäude ein großer Anziehungspunkt für die Inselbevölkerung sein und durch seine einprägsame Architektur ein Beispiel des modernen leichten ökonomischen Bauens.“ Zudem sah der Entwurf weitere Räumlichkeiten für die Gastronomie oder sportliche Zwecke vor.
Schalenbauten mit ihrem attraktiven und modernen Erscheinungsbild lockerten in der DDR entweder das einheitliche Stadtbild mit seinen gleichförmigen Wohnblöcken auf oder setzten als freistehende Gebäude wirkungsvolle Akzente in der Landschaft. Mit der Zeit aber änderte sich der Umgang mit ihnen. Ulrich Müthers Konstruktionen wurden während ihrer Erbauung bewundert. Nach dem Mauerfall vergaß man sie aber weitgehend und letztendlich verschwanden sie häufig. Erst der Abriss der ehemaligen Großgaststätte Ahornblatt Berlin führte zu einem neu erwachten Interesse an den Betonschalen und einer denkmalpflegerischen Neubewertung von Ulrich Müthers Schalenbauwerken.
Autorin: Marika Emonds
