Diese Seite widmet sich Menschen aus Bergen auf Rügen, die heute weitgehend vergessen sind. Das Stadtmuseum erinnert an ihre Lebensgeschichten.
Weitere Persönlichkeiten aus Bergen auf Rügen finden Sie auch in der Rubrik „Bekannte Namen“:
Geboren wurde Malte Albrecht im Januar 1876 in Darsband, einem kleinen Ortsteil von Putbus. Bereits im Alter von drei Jahren verlor er seinen Vater, der schwer an Typhus erkrankte. Als junger Mann lernte er die um neun Jahre ältere Helmine Uerckvitz kennen, die in Gademow geboren und als Dienstmädchen arbeitete. Im Jahr 1901 heirateten Helmine und Malte in Bergen auf Rügen und lebten fortan in der Stadt. 1905 wurde der Sohn Walter geboren, der jedoch nach wenigen Stunden verstarb. 1907 erfolgte dann die Geburt von Tochter Elsa. Mutter Helmine versorgte das Kind und den Haushalt, Vater Malte verdiente den Lebensunterhalt als Arbeiter bei der Bahn. Im Sommer 1914 begann der Erste Weltkrieg und Malte wurde Soldat. Aus dieser Zeit gibt es eine Personenbeschreibung aus seinem Soldbuch. Er war 1,67 m groß, von kräftiger Gestalt, hatte dunkles Haar, jedoch keinen Bart sowie eine Tätowierung auf seinem linken Unterarm.
Das wertvollste Fundstück der kleinen Familiensammlung im Stadtmuseum Bergen ist ein Feldpostbrief von Malte Albrecht aus Kolberg (heute Polen) an seine Frau Helmine vom 26. Dezember 1915 – geschrieben am zweiten Weihnachtsfeiertag. Darin teilt er ihr mit, dass er noch gesund und munter sei. Weiter schreibt er: „Liebe Frau, ich will Dir mal mitteilen, wie ich in Kolberg die Weihnachtstage verlebt habe. Die beiden Tage haben wir einmal was zu essen bekommen ( … ) jeden Mittag. Das Essen, da wird man auch nicht satt von. Und die andere Zeit habe ich immer trocken Brot gegessen.“ Dann schreibt er, dass ein Kamerad auf Urlaub zum Jahreswechsel nach Putbus über Bergen fährt und bittet: „Liebe Frau, denn sei so gut und schicke mir doch bisschen Butter oder Schmalz mit, es ist ganz gleich, was Du hast.“ Zum Schluss wünscht er seiner Frau und seiner Tochter Elsa ein Fröhliches Neues Jahr und verabschiedet sich mit Auf Wiedersehen.
Zum Glück gab es für die Familie Albrecht ein Wiedersehen nach dem Krieg. Malte arbeitete wieder bei der Bahn als Streckenarbeiter und Elsa besuchte die Schule. Viele Jahre wohnte die Familie Albrecht in der Kirchstraße 1, im Haus der ehemaligen Dampfbäckerei Berg.
1922 beendete Tochter Elsa die Schule und belegte Kurse im Maschineschreiben, in Stenographie sowie Kurzschrift und wurde Stenotypistin in Bergener Rechtsanwaltskanzleien, bis sie 1941 als Büroangestellte in die Stadtverwaltung Bergen wechselte. 1954 verstarb Mutter Helmine und drei Jahre später, 1957 Vater Malte. Tochter Elsa verstarb 1987. Die Familie Albrecht wurde in einem Erbbegräbnis in Bergen bestattet.
Die kleine Sammlung zur Familie Albrecht gibt einen wertvollen Einblick in das Leben früherer Generationen in Bergen. Leider sind bislang keine Fotos der Familie erhalten. Das Stadtmuseum würde sich sehr freuen, wenn Sie durch Fotografien oder weitere Informationen zur Bewahrung der Familiengeschichte Albrecht beitragen könnten!
Autorin: Uta Exner (ehrenamtliche Mitarbeiterin)
Das Stadtmuseum Bergen erhielt im Juni 2021 eine umfangreiche Schenkung. Hierbei handelt es sich um den Nachlass einer Enkelin von Emil Buttke, die eine umfangreiche Sammlung von Urkunden, historischen Dokumenten und Briefwechseln ihres Großvaters bewahrt hatte.
Emil Buttke war von 1912 bis ca. 1946 Landjäger und später dann Meister der Gendarmerie in Samtens/Landkreis Rügen. Ein aufgefundenes Schreiben des Landrats von Rügen aus dem Jahr 1943 lässt vermuten, dass er auch Bürgermeister von Samtens gewesen sein könnte, was aber noch genauer geprüft werden muss.
Emil Buttke wurde am 29. August 1883 in Neupritten/Kreis Dramburg geboren. Seine Eltern Julius und Mathilde Buttke waren Eigentümer eines landwirtschaftlichen Hofes in Neupritten. Er besuchte die Volksschule seines Heimatortes von 1890 bis 1897 und arbeitete bis November 1900 in der Wirtschaft seiner Eltern. Dezember 1900 trat Emil Buttke an der Unteroffiziers-Schule Marienwerden seinen Militärdienst an, wo er im Januar 1903 zum Gefreiten ernannt wurde. Abkommandiert wurde er zum Infanterieregiment 67 in Metz. Im Dezember 1903 wurde er zum Unteroffizier ernannt und durchlief bis zum Ausscheiden aus dem Militärdienst 1912 verschiedene Dienststellungen. Sein letzter Dienstgrad war Vizefeldwebel. Aus dieser Zeit existiert ein intensiver Briefwechsel mit seiner späteren Frau Hedwig, geb. Polzin. Im Nachlass sind ca. 300 Briefe aus diesem Briefwechsel erhalten, die zwar längst noch nicht ausgewertet sind, aber sicherlich einen interessanten Einblick in den Alltag zu dieser Zeit geben können.
Von Oktober bis Dezember 1911 absolvierte er einen Lehrgang auf der Gendarmerie-Schule Wohlau, durchlief eine Probezeit in Franzburg und wurde dann ab dem 1. April 1912 als Landjäger (Gendarm) im Standort Samtens/Landkreis Rügen angestellt.
1912 heiratete er seine Jugendliebe Hedwig und begründete in Samtens seinen Hausstand. Im Jahr 1914 wurden sein Sohn Herbert Buttke und im Jahr 1920 seine Tochter Liesbeth geboren.
Hedwig Buttke verstarb 1922 im frühen Alter von 28 Jahren. Emil Buttke heiratete 1923 ein zweites Mal. Diese Ehe wurde 1942 geschieden. Aus dieser Ehe ging seine Tochter Henny Buttke hervor.
Sein Sohn Herbert studierte an der Universität Bonn Germanistik und war nach dem Studium bis Oktober 1939 als Studienassessor in Bad Godesberg tätig. In dieser Zeit erwarb er den Doktortitel. Er wurde am 5. Oktober 1939 in die Wehrmacht eingezogen und zum Funkunteroffizier bei der Luftwaffe ausgebildet. Aus Briefen an seinen Vater ist erkennbar, dass er von großen Gewissenskonflikten geplagt war. Er war Besatzungsmitglied einer Bomberbesatzung und kehrte am 26. Februar 1943 von einem Einsatz über England nicht zurück. Er wurde Ende 1943 für tot erklärt. Zwischen Vater und Sohn bestand eine sehr enge und vertrauensvolle Beziehung, was unter anderem aus dem umfangreichen Briefverkehr ersichtlich wird.
Emil Buttke wurde Meister der Gendarmerie und war zudem, sicherlich auch durch seine Krankheit, weniger erfolgreich als Landwirt tätig. Seine Spur verliert sich 1947 im Lager Fünfeichen Neubrandenburg, in dem er im selben Jahr verstarb. Warum er interniert wurde und sein genaues Todesdatum sind nicht bekannt.
Haben Sie Emil Buttke vielleicht noch kennengelernt? Oder verfügen Sie über Informationen bezüglich seines Wirkens in Samtens und Umgebung? Bitte lassen Sie uns Ihre Erinnerungen und Kenntnisse zukommen, um das Bild über Emil Buttke abzurunden!
Autor: Volker Schäfer (ehrenamtlicher Mitarbeiter)
Nicht ganz unbekannt auf der Insel Rügen ist das Hauskonzert der Pianistin und Komponistin Clara Schumann im März 1855 in Bergen. Gastgeber der Soirée (festliche Abendgesellschaft) war Carl Adolph von Eckenbrecher, Direktor des Kreisgerichts Bergen in jener Zeit, dessen Einladung Frau Schumann folgte.
Wer war eigentlich dieser Mann, der den Mut hatte, eine der berühmtesten Künstlerinnen ihrer Zeit in sein Haus einzuladen? Ein geborener Rüganer war er nicht. Von Eckenbrecher wurde gemäß seinem Geburtseintrag am 29. April 1809 in Berlin geboren, feierte jedoch seine Geburtstage stets am 29. März eines jeden Jahres. Der Familie väterlicherseits gehörte ein Rittergut in Gut Paaren, heute zum Land Brandenburg zugehörig.
Neben seiner schulischen Bildung erhielt der junge Carl Adolph aufgrund seines besonderen musikalischen Talents zusätzlichen Musikunterricht, insbesondere in Klavier und Gesang. Nach den letzten Schuljahren auf dem Domgymnasium zu Magdeburg begann er Ostern 1827 an der Universität Berlin das Studium der Rechtswissenschaften. Er verfügte über eine wohlklingende, kräftige Baritonstimme und trat deshalb während seiner Studienzeit der Berliner Sing-Akademie bei.
Nach Abschluss seiner Studien war er ab 1845 als Stadtrichter tätig. Im gleichen Jahr heiratete der 36-jährige von Eckenbrecher die 31-jährige Elise Cramer von Clausbruch (1813-1878). Es folgte die Geburt der Tochter Caroline (1848) und des Sohnes Hans (1850). Doch bereits im Jahr 1851 mussten sie über den Verlust ihrer Tochter trauern.
1852 wurde der Jurist als Direktor des Kreisgerichts nach Bergen versetzt, und die Eheleute ließen sich mit ihrem Sohn Hans auf der Insel Rügen nieder. Wahrscheinlich bezog die Familie eine Mietwohnung im Ludwigschen Hause, heute Billrothstraße 19. Zu den Mitarbeitern des Kreisgerichts gehörte damals auch der Jurist Berthold Delbrück (1817-1868), der mit seiner Familie 1847 ebenfalls nach Rügen übergesiedelt war.
Neben seinen beruflichen Verpflichtungen widmete sich der Gerichtsdirektor in den arbeitsfreien Stunden seinen musischen Leidenschaften. Auch der Delbrücksche Haushalt war sehr musikalisch ausgerichtet; Ehefrau Laura war eine ausgezeichnete Klavierspielerin und so waren beide Familien bald freundschaftlich verbunden.
Die Familie wurde in Bergen sesshaft und kaufte ein Haus in der Calandstraße 3. Eine Bergener Zeitzeugin, die Komponistin, Pianistin und Chorleiterin Gustava Bley, berichtet über das musikalische Leben aus dieser Zeit: „In meiner Jugendzeit lebte hier der Gerichts-Direktor von Eckenbrecher, der in Bergen viel musikalische Anregung gab, zum Beispiel durch einen Verein, in dem die Mitglieder mit Geigen-, Klavier und Gesangsvorträgen abwechselten. […] Herr von Eckenbrecher stand mit bedeutenden Berliner Künstlern in Beziehung, und so darf ich die berühmte Klavierspielerin Frau Clara Schumann nennen, die von Herrn Eckenbrecher freudig in seinem gastlichen Hause aufgenommen wurde.“ Dieser lebendige musikalische Kontext bildete den Rahmen für das Konzert Clara Schumanns am 18. März 1855 in Bergen auf Rügen.
Im Jahr 1865 trat von Eckenbrecher seine neue Stelle als Direktor des Kreisgerichts Stralsund an und zog aus Bergen fort. Gustava Bley berichtet hierzu: „Als Herr von Eckenbrecher nach Stralsund zog, ruhte die Musik kurze Zeit.“ Jedoch blieb er auch in Stralsund seiner musikalischen Neigung treu. Im Alter von 94 Jahren verstarb Carl Adolph von Eckenbrecher am 1. Dezember 1903 hochverehrt in Stralsund.
Autorin: Uta Exner (ehrenamtliche Mitarbeiterin)
